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Feierstunde

A.N.: Mein AU-Epilog zur gerade im Dreh befindlichen Folge Feierstunde. Klar, alles nur wildeste Baggi-Spekulationen… klar, alles nur vage umrissen… klar läuft meine Phantasie Amok, wenn ich solche Sätze lese:

- "… Abends verschafft sich Götz Zugang zu Prof. Boernes Feierstunde im Nobelrestaurant und ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Jetzt benötigt Prof. Boerne die Unterstützung von Kommissar Thiel – mehr als jemals zuvor…“
- "Alberich, neben dieser Tür befindet sich ein Schild, haben Sie das nicht bemerkt?" Auf der Tafel steht "geschlossene Gesellschaft", und im nächsten Moment wissen Alberich und die Zuschauer am Set, warum Boerne gerade noch verspannter wirkt als sonst: Von rechts schiebt sich in Höhe seiner Schläfe eine Pistole ins Bild, eine Hand zerrt Alberich ins Haus, und die schwere Holztür des Gasthofs "Zur Post" fällt krachend ins Schloss.
- „…ein als Zielscheibe missbrauchtes Foto von Boerne lässt darauf schließen, dass Professor Götz sich an ihm rächen will…“

Genre: h/c
Wörter: 870


Unbeschreiblich erleichtert beobachtet Thiel, wie Boerne endlich die Augen aufschlägt und ihn ansieht. Er hätte es Frau Haller gegenüber nie zugegeben, doch hat ihm die Angst, dass sein Kollege vielleicht nicht wieder aufwachen wird, in diesen letzten, unendlich langen Stunden fast die Luft zum Atmen abgeschnürt.

Obwohl Boernes Lider fast unmittelbar wieder herabsinken, steigt seine Erleichterung ins Unendliche, denn Thiel hat das kaum wahrnehmbare Nicken, mit dem der Mann im Bett auf seine Anwesenheit reagiert hat, nicht übersehen.
Aber bevor er etwas sagen kann, registriert er am Rande seines Blickfeldes eine leichte Bewegung. Verwundert schaut er nach unten, auf Boernes Hand, beobachtet, wie sein Kollege über die Matratze tastet. Mühsam sieht das aus, schwach und kraftlos, bis seine Finger Thiels finden. Doch in dem Moment, in dem er Thiels Hand berührt, krallt er seine Finger um sie, als müsse er sich an einer Rettungsleine festhalten.

Erschüttert vom diesem fast verzweifelt scheinenden Griff erwidert Thiel instinktiv den Druck und nimmt Boernes eiskalten Finger behutsam zwischen seine warmen. Aber er bleibt weiter still, denn Boerne hat den Kopf ein wenig in seine Richtung gedreht und müht sich nochmals, ihn anzusehen. Es ist eindeutig, dass er dabei zu sprechen versucht, aber er braucht einige angestrengte, rasselnde Atemzüge, bis er genug Kraft gesammelt hat.
„Alberich?“, ist alles, was er hervorbringt. Schleppend und leise, kaum zu verstehen. Aber Thiel reicht das; reicht das als Bestätigung, dass alles wieder gut ist, alles wieder gut wird. Boerne atmet selbständig, er spricht, er ist wach und klar… das ist mehr, als er gestern Abend noch zu hoffen gewagt hat. Vor Erleichterung sackt er ein wenig in sich zusammen. Gleichzeitig lässt ihn die deutliche Angst, die in diesen wenigen Silben mitschwingt, schlucken. So untypisch für Boerne; und doch kein Wunder, nach dem Horror, den er erleben musste.

„Sie schläft“, beeilt er sich, den Mann im Bett zu beruhigen und macht eine kleine Bewegung mit dem Kopf in Richtung des Fensters. Boerne versteht die Geste und folgt ihr mit seinem Blick; der Hauch eines Lächelns huscht über sein leichenblasses Gesicht, als er seine Assistentin erkennt, die in eine dicke Decke eingewickelt in einem Sessel schläft.
Dann sinken seine Lider wieder herab, er hat keine Kraft mehr, sie weiter offen zu halten.

In diesem Moment öffnet sich leise die Zimmertür und Nadeshda macht einen Schritt in den Raum. Sie sagt nichts, um Frau Haller nicht zu stören, schaut nur fragend und müde und vor allen Dingen besorgt zuerst auf den Mann im Bett und dann zu Thiel. Boerne regt sich nicht wieder, aber der Kommissar nickt seiner jungen Assistentin zu und merkt, wie sich zum ersten Mal an diesem Tag ein ehrliches Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitet. Als sie daraufhin fragend die Augen aufreißt und nach einem weiteren Lächeln von ihm zu strahlen beginnt, ist klar, dass sie ihn verstanden hat.
Nadeshda zieht ihr Mobiltelefon aus der Tasche, winkt ein wenig damit und formt lautlos mit den Lippen einen Namen: Klemm. Thiel nickt bestätigend.
Die Staatsanwältin ist vor einigen Stunden widerwillig ins Büro gefahren, obwohl mehr als deutlich geworden ist, dass sie lieber geblieben wäre. Selbst sie hat nicht versucht, ihre Sorge um den Professor zu verbergen, war von den Geschehnissen ebenso erschüttert wie der Rest aller Kollegen. Sie wird sich freuen, die beruhigenden Neuigkeiten zu hören.

Thiel lächelt nochmals kurz, als Nadeshda wieder aus dem Raum schleicht. Wie so oft ist er dankbar, dass sie sich praktisch wortlos verstehen, dass sie die beiden schlafenden Rechtsmediziner nicht stören und ihr Vorgehen laut besprechen müssen.
Wobei es momentan nicht so aussieht, als ob Boerne irgendetwas stören könnte. Er liegt wieder so reglos, so still, dass Thiel Angst um ihn hätte, wären da nicht der kaum wahrnehmbare Pulsschlag unter seinen Fingerspitzen und die Linien auf dem Monitor neben dem Bett, die zeigen, dass er am Leben ist.

Für eine Weile bleibt sein Blick an diesem Monitor hängen. Regelmäßig und lautlos laufen die bunten Zacken und Wellen über den Bildschirm, verschwimmen nach und nach vor seinen Augen. Doch irgendwann, es kostet ihn eine bewusste Anstrengung, reißt er sich von dem fast hypnotischen Anblick los und wendet sich der schlafenden Frau Haller zu.
Den schrecklichen Erlebnissen zum Trotz ist auch sie die ganze Nacht nicht von Boernes Seite gewichen, egal wie sehr Ärzte und Pflegepersonal auf sie eingeredet haben. Doch irgendwann hat die Erschöpfung gesiegt und sie ist eingeschlafen.
Thiel fragt sich, ob er sie wecken soll, aber nach einem Blick in ihr blasses, zum Glück entspanntes Gesicht entscheidet er sich dagegen. Sie braucht die Ruhe.

Allerdings braucht nicht nur sie die Ruhe. Thiel hat keine Ahnung, wann er das letzte Mal geschlafen hat; es muss eine Ewigkeit her sein. Eigentlich könnte er jetzt nach Hause fahren und ein paar Stunden die Augen zumachen.
Aber er tut es nicht.
Müde legt er seinen Kopf auf seiner Armbeuge ab und beobachtet weiter den erschlafft vor ihm liegenden Mann. Boerne scheint in eine tiefe Bewusstlosigkeit zurückgesunken zu sein; doch daran, wie seine Finger ab und an zucken, er ab und an fester zugreift, wie um sicherzustellen, dass der Kommissar ihn nicht alleingelassen hat, merkt Thiel, dass seine Anwesenheit Boerne beruhigt; ihm guttut sogar. Dass er die Wärme von Thiels mit seinen verschränkten Fingern braucht, zumindest in diesem Moment.
Und um nichts in der Welt wird er jetzt gehen.

Comments

( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
anja79
21. Apr 2016 08:35 (UTC)
Gefällt mir sehr! Diese Stimmung :)

Obwohl ich ja inständig hoffe, dass es so nicht kommen wird ;)

baggeli
21. Apr 2016 12:30 (UTC)
Awwwwwwwwww danke! :D
Und natürlich kommt es nicht so. Wir reden von Münster. Die haben noch nie ein Drama geschafft, bei dem man mal so richtig mitleiden kann. Leider. *lol*
cornchrunchie
7. Jul 2016 18:46 (UTC)
Das ist unheimlich schön geworden! Man liest viel zu selten was von dir, stelle ich fest :)
baggeli
16. Jul 2016 13:12 (UTC)
Awwww, dankeschön!!
Ich weiß selber nicht, warum ich nicht mehr schreibe. Hab keine Erklärung fürs eigentlich durchaus wollen aber doch nicht tun. Schade eigentlich. *seufz*
Aber in die Timeline hier und auf Ao3 schaue ich jeden Tag, in der Hoffnung, was zum Lesen zu finden. Das Interesse ist nach wie vor riesig, nur kriege ich selber nichts mehr gebacken. Doof.
( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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