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Bingo-Story: Abflug

Titel: Abflug - Kapitel 6
Bingo-Prompt: Prompt 81
Genre: Freundschaft, minimal Humor, h/c
Zusammenfassung: Schnee Ende Januar ist heimtückisch. Aber sowas von...
Wörter: ~9400
A.N.: h/c und ooc im Übermaß. Aber was ooc angeht, habe ich kein schlechtes Gewissen. In den letzten Monaten hätte ich so gut wie keine Geschichte gelesen, die ic gewesen wäre.
Wettermäßig natürlich auch unpassend... wobei... hier ist es ganz schön kalt. Und hab' ich gestern nicht was von Blitzeis in Bayern gelesen?


Die Rechtsmedizinerin schien das ebenso zu sehen. Sie seufzte, als sie auf die Füße kam. „Ich möchte das Bett jetzt nicht komplett neu beziehen, aber so nass kann er nicht bleiben. Wir müssen etwas tricksen.“ Zwei Sekunden schien sie nachzudenken, dann schnappte sie den Deckenhaufen, den Thiel vor das Bett geworfen hatte, und trennte eilig die beiden Wolldecken vom nassgeschwitzten Plumeau. Währenddessen machte sie eine vage Kopfbewegung Richtung Flur. „Können Sie vielleicht zwei Handtücher aus dem Bad holen? Ein großes und ein kleines, wenn es geht?“
„Logo.“ Thiel konnte sich denken, worauf sie hinauswollte und setzte sich sogleich in Bewegung.

Er war schon oft genug in Boernes Bad gewesen, um auf Anhieb die gewünschten Frotteetücher aus dem Regal ziehen zu können. Nur kurze Zeit später stand er wieder im Schlafzimmer.
Die Medizinerin hatte in der Zwischenzeit die Wolldecken locker über Boernes Beinen ausgebreitet und nahm nun mit einem dankbaren Nicken das kleinere der Handtücher an. Einmal mehr ging sie neben dem Bett in die Knie und begann behutsam, Boernes schweißnassen Nacken und sein Gesicht abzutrocknen. „Chef, wenn Sie sich nur ein bisschen nach rechts und links rollen, kann ich das Badetuch unter Ihnen ausbreiten“, erklärte sie dabei. „Shirt und Hose ziehen Sie einfach aus, dann liegen Sie wieder so gut wie trocken. Das geht alles, ohne dass Sie aufstehen müssen, ok?“
Doch Boerne kniff die Augen zu und schüttelte mürrisch den Kopf, wich vor ihren vorsichtigen Berührungen mit dem Handtuch zurück. "Nein, lassen Sie das, das ist völlig unnötig." Sein Gemurmel war etwas zu heiser, etwas zu erschöpft, um so abweisend zu klingen, wie es wohl der Plan gewesen war. "Spielen Sie hier nicht die Krankenschwester, mir geht es gut."

Thiel tauschte einen kurzen Blick mit der kleinen Frau. Sie schmunzelte leicht; sie beide kannten den störrischen Mann nun schon so lange, es war ihnen klar gewesen, dass er sich gegen ihre Hilfe sträuben würde. Doch bevor Thiel dieses unsinnige Verhalten kommentieren konnte, erschauderte der Professor ein weiteres Mal und Frau Haller verfiel sofort in Aktion.
"Keine Diskussionen, Chef“, rügte sie gutmütig und setzte sich neben ihn auf die Bettkante, „Als erstes das Oberteil. Ich bin ganz vorsichtig, keine Sorge." Noch während sie sprach, fasste sie rechts und links den Saum des T-Shirts und schob es nach oben bis zu den Achseln. Und trotz dass sie in diesem Moment eigentlich nicht einmal in die Nähe des gebrochenen Knochens gekommen war, hatte Boerne sich schlagartig versteift und das Gesicht ins Kissen gepresst.
Nicht ohne Grund.
„Nee, oder…“ Thiel blieb schlicht der Mund offenstehen, während die Medizinerin wortlos auf das Bild starrte, das sich ihnen bot. Endlich blickte sie auf. "Was um alles in der Welt ist Ihnen passiert??"
Nach einem tiefen Atemzug entspannte Boerne sich ganz langsam wieder und grummelte widerwillig: "Die Treppenstufen am Aasee… ich bin eine oder zwei runtergerutscht."
Thiel schüttelte sich unwillkürlich bei der Frage, wie viele Stufen wohl tatsächlich nötig gewesen waren, um Boernes untere Rückenpartie derartig zuzurichten. So wie er aussah, war er wahrscheinlich ungebremst die ganze Treppe hinuntergedonnert.
Frau Haller sah das offensichtlich ähnlich. "Eine oder zwei. Ist klar, Chef." Sie fixierte nochmals den malträtierten Rücken, seufzte dann nur wie aus tiefster Seele und signalisierte mit einem leichten Zug am T-Shirt, dass sie es ihm endgültig ausziehen wollte. An ihrem Gesichtsausdruck war deutlich abzulesen, was sie von der hirnrissigen Idee hielt, bei Eis und Schnee Joggen zu gehen, sie ersparte sich allerdings jeglichen Kommentar.
Thiel selber konnte sich aber eine ungläubige Bemerkung beim besten Willen nicht verkneifen. Das war doch wirklich zu absurd. „Und Sie werfen mir vor, ich wäre leichtsinnig???“
„Eigentlich war dort überall gestreut.“
Das leise Brummen zeigte ein wenig von Boernes altem Widerspruchsgeist, und Thiel musste wider eigenen Willen etwas schmunzeln.
Das Lächeln verschwand aber genauso schnell wieder, wie es gekommen war, als Boerne nun immer apathischer wurde. Sein Kollege sagte keinen Ton mehr und wehrte sich nicht, als Frau Haller so vorsichtig wie möglich erst beide Arme aus dem Shirt befreite, anschließend den nassen Stoff über seinen Kopf streifte und ihm danach ganz vorsichtig seine Schultern und die Seiten abtrocknete.  Zu guter Letzt begann sie behutsam, die Haut über dem Hosenbund zu betupfen. Natürlich vermied sie es, dabei die dunklen Hämatome und Schürfwunden nahe der Wirbelsäule zu berühren, doch Thiel verzog unwillkürlich das Gesicht, als Boerne einen leisen Schmerzlaut nicht unterdrücken konnte. Augenscheinlich tat ihm einfach alles weh, nicht nur die offensichtlichen Verletzungen.
Das merkte Frau Haller natürlich und ließ dementsprechend schnell von ihm ab.
Sie stand nun auf, vorsichtig, um die Matratze nicht zu sehr zu bewegen. „Dann mal weg mit der nassen Hose.“


Erstaunlicherweise fügte sich der Professor mit nur einem Minimum an Protest Frau Hallers leisen Kommandos und Thiel beobachtete bewundernd, mit wie wenig Aufwand sie es schaffte, Boerne die verschwitzte Schlafanzughose auszuziehen und gleichzeitig das große Badetuch unter ihm auszubreiten.
Natürlich hatte Boerne ziemliche Schmerzen dabei, das war nicht zu übersehen. Aber er sagte keinen Ton und entspannte sich schließlich mit einem leisen, wohligen Seufzen auf seiner trockenen, weichen Unterlage.
Frau Haller lächelte zufrieden bei dem Geräusch, kommentierte es jedoch nicht. Stattdessen schnappte sie die beiden Wolldecken und machte Anstalten, sie über ihm auszubreiten. Doch plötzlich  stoppte sie und legte fragend den Kopf schräg. „Soll Herr Thiel Ihnen vielleicht noch schnell helfen, die nassen Boxershorts zu wechseln?“

Während Boerne in sein Kissen schnaubte, verschluckte Thiel sich vor Schreck an seiner eigenen Spucke. Was vielleicht sein Glück war, hustete er ihr auf die Art nur fassungslos ins Gesicht, statt ihr im Affekt eine Unhöflichkeit an den Kopf zu werfen, für die er sich vermutlich noch Wochen später aus Scham hätte in den Boden schrauben wollen.
Frau Haller lachte laut auf und mit reichlich Verspätung realisierte er, dass das nur ein Scherz gewesen war - bevor er sich allerdings über ihren mehr als zweifelhaften Sinn für Humor beschweren konnte, ertönte vom Bett ein leises: „So wie Thiel sich die Schulter ramponiert hat, wird im Moment kaum seine eigenen Hosen gewechselt bekommen.“

„Wie bitte?“
Innerhalb eines Sekundenbruchteils fand Thiel sich Frau Hallers stirnrunzelndem Blick ausgesetzt und seufzte ergeben.
Viel schlimmer konnte der Abend ja ohnehin nicht mehr werden.

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