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Bingo-Prompt 7

Titel: Enttäuschung
Fandom: Tatort Münster
Prompt: Fotos/Fotoalbum
Medium: Fanfiction
Zusammenfassung: Fotos… Fotos in einem Buch, auf das er sich unerlaubt Zugriff verschafft hatte, auf einer CD, die er unrechtmäßig in seinen Besitz gebracht hatte; Thiel wünschte sich für einen kurzen Moment, er hätte sie nie zu Gesicht bekommen.
Anmerkungen: Episodenbezug zu Satisfaktion; die Geschichte macht keinen Sinn, wenn man die Folge nicht kennt.
Ziemlich düster; meine Interpretation, wie es in Thiel aussehen könnte während der Geschehnisse



Fotos… Fotos in einem Buch, auf das er sich unerlaubt Zugriff verschafft hatte, auf einer CD, die er unrechtmäßig in seinen Besitz gebracht hatte; Thiel wünschte sich für einen kurzen Moment, er hätte sie nie zu Gesicht bekommen.

Er hatte die Schnauze gestrichen voll, bis oben hin. Dieser ganze Fall war eine Farce; die Kreise, in denen er ermitteln musste, stießen ihn ab. Dieses Corps-Gedöns, Burschenschaften, Schlagende Verbindungen… was sollte das, was für einen Sinn hatten sie, außer dass da jeder auf seinen eigenen Vorteil aus war und alle zusammen bestechlich?
Der ermordete Student stammte aus bestem Hause, war jetzt, nach zehn Jahren, zufällig im Wald gefunden worden – mit einer alten Bleikugel im Kopf. Das allein war ja wohl schon der absolute Wahnsinn. Und so wie es aussah, war er anscheinend bei einem Duell getötet worden, die Art der Verletzung und die Entfernung, aus der der Schuss wahrscheinlich abgegeben worden war, ließen keinen anderen Schluss zu.
Die ganze Familie dieses Mordopfers war ihm hochsuspekt, aber er hatte noch keinen Ansatzpunkt, keine Beweise, dass sie mehr wussten, als sie zugaben.
Baltus, ein ehemaliger Studienkollege des ermordeten Raimund Stielicke, hatte ihm bislang am bereitwilligsten Auskunft gegeben; hatte ihm von Hanauer Kreis erzählt, einer extremen Studentenverbindung, in der das Mordopfer Mitglied gewesen war. Und hatte das Wort Duellpistole fallen lassen, was in Thiel den Verdacht weckte, dass auch er wesentlich mehr wusste, als er zugab.
Aber nun war auch noch Baltus verschwunden; Thiel war sich sicher, dass er ebenfalls ermordet wurde, die Blutlache auf seinem Teppich war ja wohl eindeutig. Doch niemand glaubte ihm, und solange die Leiche nicht gefunden wurde, würde das auch so bleiben.



Was ihn von Anfang an frustrierte, war die Tatsache, dass Boerne mittendrin steckte. Mittendrin in diesem Haufen, in dem jeder jeden irgendwie kannte und alle untereinander ihre Beziehungssüppchen kochten. Dass er früher in diesem Laden mitgemacht hatte, und jetzt auf einmal anscheinend wieder auf den Geschmack gekommen war. Dass er Informationen aus seiner Vergangenheit zurückgehalten, nicht von Anfang an alle Karten offen auf den Tisch gelegt hatte.
Empört war er, als er feststellen musste, dass Boerne den Vater des Mordopfers bestens kannte - was Thiel allerdings erst erfahren hatte, als er sich unerlaubt Zugang zu Boernes Eigentum verschafft und ein Foto gefunden hatte, dass ihn in freundschaftlicher Umarmung mit Professor Stielecke zeigte.
Dass Stielicke Senior sein Doktorvater gewesen war, hatte Boerne erst zugegeben, als Thiel ihm auf die Pelle gerückt war.
Aber was Thiel am meisten ankotzte, war, dass Boerne sich, wie es jetzt aussah, hatte kaufen lassen. Kaufen lassen von eben diesem Doktorvater; sich hatte reizen lassen vom Ruhm der Charité, sich aus der Provinz weglocken ließ ins Rampenlicht. Das war eigentlich das Letzte, was er von Boerne erwartet hatte. Und wenn er sich selbst gegenüber ehrlich war, war er mehr als enttäuscht.




Als Thiel sich frustriert ächzend in seinen Schreibtischstuhl fallen ließ, fuhr er sich mit der Hand über die Wange, die Nadeshda gerade verbunden hatte. Die Schmach, dass diese beiden Studentenjungs ihn vermöbelt hatten, brannte mehr, als die Wunde selbst.
Er war so sauer gewesen in dem Moment, er hätte sich glatt noch wieder auf sie gestürzt, aber Boerne war dazwischengegangen und hatte ihn von den beiden getrennt. Boerne, der immer noch so tat, als stünde er auf seiner Seite, dabei hatte er nur seine eigenen Ziele im Kopf.


Als er die CD, die er in Baltus‘ Spind entwendet hatte, in seinen Rechner schob, öffneten sich diverse Ordner, sortiert nach Jahreszahlen. Ohne lange zu überlegen, wählte er den Ordner von 1992 aus; das lag vielleicht daran, dass das Foto mit Stielecke und Boerne aus diesem Jahr stammte.
Und gleich die ersten Fotos, die sich öffneten, ließen in ihm das Gefühl aufkommen, als sei er abermals verraten worden; Fotos von einem jungen Mann, mit blutigen Schnittwunden übersäht, aber stolz und selbstzufrieden in die Kamera blickend; einem Mann, den er auf den ersten Blick erkannte.
B
oerne war Mitglied in diesem Hanauer Kreis gewesen, und auch das hatte er verschwiegen.

Thiel fuhr sich durch die Haare; es kam ihm vor, als sei gerade etwas in ihm zerbrochen.



Fotos… Fotos in einem Buch, auf das er sich unerlaubt Zugriff verschafft hatte, auf einer CD, die er eigentlich gar nicht hätte in seinen Besitz bringen dürfen, hatten das Vertrauen zerstört, das über Jahre gewachsen war.

Tags: bingo 2012, episodenbezug, fanfic, nachdenklichkeit, tatort - satisfaktion, thiel
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